Eucharistische Anbetung

Anbetung – wie geht das?

Abzweigen von Hektik und Alltagsstress: Wie man gut in der Anbetung an- kommen kann, dazu gibt es auf dieser Seite einige Tipps.
Abzweigen von Hektik und Alltagsstress: Wie man gut in der Anbetung an- kommen kann, dazu gibt es auf dieser Seite einige Tipps.

Die folgenden Anregungen sind – mit freundlicher Genehmigung von KIRCHE IN NOT – dem Faltblatt «Eucharistische Anbetung» (aus der Reihe «Glaubens-Kompass») entnommen.

Wie kann ich persönlich vor dem ausgesetzten Allerheiligsten beten?
Es hilft, mir eine bestimmte Zeit vorzunehmen, zum Beispiel eine halbe Stunde. Damit ich nicht auf die Uhr schauen muss, nehme ich zur Orientierung entweder den Glockenschlag oder stelle mir ein leises Signal.

Zu Beginn schenke ich diese Zeit bewusst Gott und sage ihm, dass ich die Absicht habe, in dieser Zeit ganz für ihn da zu sein. Ich entscheide mich dafür, während dieser Gebetszeit sitzen zu bleiben, egal, was in mir passiert, egal, ob ich Interesse oder Langeweile empfinde. Der Pallottinerpater Hans Buob SAC nennt das «den Esel anbinden». Mit dieser Entscheidung widerstehe ich während der Gebetszeit den klassischen Impulsen «macht gerade keinen Sinn, weil …», «besser ein andermal, wenn …» und «ich wollte doch noch …».

Ich sammle mich für einen Moment, indem ich mich frage: Wie nehme ich meinen Sitz wahr, meinen Körper, wie meinen Atem, wie meine gefalteten oder geöffneten Hände? Wenn ich körperlich in der Anbetung angekommen bin, kann ich vier einfache Schritte tun, um meine Seele zu bereiten.

1) Hier bin ich!
Zunächst geht es darum, mich bewusst vor Gott zu begeben, wie ich eben jetzt gerade bin, etwa mit Freude, Trauer, Ärger, Wut, Ängsten, Dankbarkeit, Hass, Neid …; wahrzunehmen, was mich gerade bewegt und mich damit ihm zu zeigen.

2) Wer bist du für mich?
Ich reflektiere kurz: Wie denke und empfinde ich momentan über dich, dreifaltiger Gott? Wer bist du, Vater, für mich gerade jetzt persönlich, wer du, Jesus Christus, wer du, Heiliger Geist?

3) Reinigung.
Ich bitte den Heiligen Geist, mir meine Sünden aufzudecken. Ich erforsche kurz mein Gewissen und bitte Gott für meine Sünden um Vergebung. Weil Gott mir vergeben hat, vergebe auch ich mir selbst und meinem Nächsten, lasse meine Sünden los und hänge ihnen nicht länger in Gedanken nach. Ich lasse die Vergebung regelmässig durch einen katholischen Priester in der Beichte besiegeln.

4) Der Blick auf Gott.
Ich lade den Heiligen Geist ein, mich zu erfüllen und in mir zu beten. Ich schaue in die Richtung Gottes, das heisst, ich versuche, meine innere Aufmerksamkeit, mein Herz, meine Person auf Gott zu richten. Es ist die Haltung eines unangestrengten Lauschens. Wie ich mit den Ohren körperlich lausche, so kann ich mit meinem Herzen, mit meiner Person geistlich lauschen. Dabei kann ich meine Augen auf die Eucharistie richten oder schliessen.

Ich versuche, wach dabeizusein, mit Interesse dabeizusein und konsequent dabeizubleiben. Sobald ich merke, dass ich in Gedanken und Zerstreuung gekommen bin, komme ich entschieden, aber sanft und ohne mich für die Ablenkung zu tadeln wieder in die Gegenwart der Eucharistie zurück.

Und wenn ich in der Gebetszeit auch sehr zerstreut bin und mich ständig wieder zurückholen muss, so hat Gott dennoch mich in dieser Zeit! Wie es die Würzburger Mystikerin Schwester Maria Julitta Ritz formulierte: «Herr, wenn du so von mir geliebt werden willst, dann liebe ich dich eben in dieser Weise.»

Für wie viele Sekunden meiner Gebetszeit es mir gelingt, gesammelt vor ihm zu sein, ist nicht wichtig. Wichtig sind die Entschiedenheit und das fortwährende Bemühen, nicht das Ergebnis. Beim Gebet brauche ich nichts zu erreichen. Ich bin vom Leistungsdruck befreit.

Bei diesem Gebet, dem inneren Gebet, «sind die Worte kein langes Reden, sie sind wie Reisig, das das Feuer der Liebe anfacht», schreibt der Katholische Katechismus.

So helfen mir einfache Worte, die ich oft wiederhole. Das kann ein Bibelwort sein, eine kurze Bitte, oder der Name einer der drei Personen Gottes (Vater, Jesus Christus, Heiliger Geist), den ich liebevoll ausspreche, wie wenn ich einen geliebten Menschen mit dessen Namen anrede.

Ich kann zum Beispiel Jesus Christus innerlich liebevoll ansprechen und dieses innere Sprechen mit dem Atem wiederholen, etwa mit dem Ausatmen «Jesus» und mit dem Einatmen «Christus» sagen. (Damit bin ich beim Jesusgebet, das auf die Wüstenväter zurückgeht und heute neben seiner besonderen Verbreitung in der Orthodoxen Kirche auch in unserer römisch-katholischen Kirche viele Beter gefunden hat.)

Weitere längere oder kürzere Formen sind:
Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner.
Jesus.
Abba, Vater.
Vater.
Heiliger Geist.

Im Gebet betet der Heilige Geist in mir. Er weiss, was notwendig ist.

Am Ende gebe ich die Gebetszeit mit Dank an Gott zurück. Anschliessend kann ich kurz reflektieren, wie es mir ergangen ist. Da ich nichts erreichen musste, kann ich mit meiner Gebetszeit zufrieden sein, auch wenn ich mich kaum sammeln konnte. Gott hatte mich in dieser Zeit!

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