Die Osterzeit – ein einziger Festtag!?

Alles hat seine Zeit. Es gibt eine Zeit zum Arbeiten und zum Ausruhen, eine Zeit des Fastens und eine Zeit des Feierns. Ich finde es schön, dass wir mit dem Kirchenjahr einen vorgegebenen Wechsel von Fest und Alltag, von geprägten und gewöhnlichen Zeiten haben. Das gibt dem Lauf der Dinge Struktur und Sinn.

Während der Advent und die Fastenzeit uns als besondere Zeiten im Jahr bewusst sind, kann man das für die Osterzeit als Ganze nicht wirklich sagen. Dabei sind die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten eigentlich die „Hochzeit“ des Kirchenjahres. Bereits im 2. Jh. stellte man fest, dass sich die Ereignisse von Ostern nicht auf einmal deuten und feiern lassen, und verteilte sie darum auf fünfzig Tage. Diese Zeitspanne sollte aber wie ein einziger Festtag wahrgenommen werden, von dem es im Osterpsalm 118 heisst: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“ Die Zahl 50 symbolisiert Fülle, aber auch Über-Fülle und Neubeginn, denn zu den 7 x 7 Tagen kommt noch ein Tag, Pfingsten, hinzu.

Wodurch zeichnen sich die 50 Tage liturgisch aus? Am auffallendsten dürften das häufiger gesungene Halleluja und die Osterlieder sein. Eine sichtbare Klammer über die 50 Tage bildet die Osterkerze, die in allen Gottesdiensten im Altarraum brennt; nach dieser Zeit wird sie nur noch bei Taufen und Begräbnisfeiern (und beim Dreissigsten) angezündet. Früher gab es eine kirchliche Bestimmung, dass man in der Osterzeit im Gottesdienst nicht knien soll, sondern stehen.

Selbstverständlich geht die österliche Freude nicht mit Pfingsten zu Ende; sie soll in den Alltag hineinstrahlen. Die geprägten Zeiten rufen uns aber die Quelle in Erinnerung, aus denen wir Kraft zum Leben schöpfen. Im Grunde will uns jedes Fest, ob kirchlich oder weltlich, bewusstmachen, dass und wofür es sich zu leben lohnt.

Josef-Anton Willa,

Pastoralassistent

 

Veröffentlicht am 8. Mai 2017 | Kategorie(n): Impressionen