Die Familie Silbermann

Andreas Silbermann  (1678 – 1734 )

Am 16. Mai 1678 in Kleinbobritzsch in Sachsen geboren, verlässt Andreas Silbermann, nachdem er den Tischlerberuf erlernt hatte, 1694 seinen Heimatort, um im nahen Görlitz, in der Oberlausitz gelegen, als Geselle bei dem bekannten Orgelbaumeister E. Casparini zu arbeiten. Dieser war damit beauftragt, eine grosse Orgel für die Görlitzer Sankt Peter- und Sankt Paul-Kirche zu bauen. Mit seiner Arbeitsfreudigkeit und seiner angeborenen Einfühlungsgabe erlernte er in kurzer Zeit den Beruf des Orgelbauers.

Er verlässt 1699 Görlitz, um zunächst in der Pfalz zu arbeiten, dann treffen wir ihn in Buchsweiler im Elsass, wo er eine Orgel renovierte.

Später in Strassburg wurde ihm der Bau einer neuen Orgel, diejenige des Dominikanerinnen-Klosters anvertraut.

Im Jahre 1704 begegnen wir Andreas in Paris. Hier findet er freundliche Aufnahme bei der bekannten Orgelbauer-Familie J. Thierry, wo er Gelegenheit hatte, mit Organisten und Orgelbaumeistern gute Beziehungen zu pflegen. Nach zweijährigem Pariser Aufenthalt kehrte er 1706 nach Strassburg zurück, beeindruckt von dem, was er dort erlebt hatte. Die französischen Zungenregister mit ihrem herben und doch edlen Klang begeisterten ihn restlos, ebenso die klassische Ausgeglichenheit der Register. Dies führte ihn schliesslich, einer genialen Eingebung folgend, zur Ausbildung seines persönlichen Stiles.

Sein jüngerer Bruder Gottfried kommt ebenfalls nach Strassburg, um bei ihm den Orgelbau zu erlernen. Nach 7-jähriger Tätigkeit und nach bestandener Meisterprüfung verlässt er 1709 die Stadt, um in Freiberg in Sachsen eine eigene Werkstätte zu gründen. Er wird ein bedeutender Orgelbauer, von Organisten, namentlich von Johann Sebastian Bach, sehr geschätzt.

Für Andreas Silbermann beginnt in Strassburg eine fruchtbringende Arbeitsperiode. Dank seiner gesammelten Erfahrungen, einer mustergültigen Arbeit und nicht zuletzt dank seiner Begeisterung für seinen Beruf reicht sein Ruf weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus.

So entstehen im oberrheinischen Raum 34 neue Orgeln, eine bedeutende Leistung, wenn wir die primitiven Arbeitsmethoden und die umständlichen Transportmöglichkeiten berücksichtigen.

Von einem alten Leiden heimgesucht, stirbt der Meister am 16. März 1734. Sein Sohn Johann Andreas Silbermann schrieb in dankbarer Erinnerung über seinen Vater: „Der liebe Gott gab ihm Feyerabend und forderte ihn von dieser Welt ab, da er sein Leben in beständiger Mühe und Arbeit nicht höher als auf 55 Jahre 9 Monate und 21 Tage gebracht hat. Sein Ehren-Gedächtnis wird inzwischen so lange währen, als seine dauerhafftig verfertigten Arbeiten zum Lobe Gottes erschallen werden.“

 

johandreassilbermannJohann Andreas Silbermann   (1712-1783)

Johann Andreas Silbermann wurde am 26. Juni 1712 in Strassburg geboren. Bereits als 12-Jähriger begleitet er seinen Vater, nimmt teil an seiner vielseitigen Tätigkeit und erwirbt sich ein gutes handwerkliches Können. In Ebersmünster (1730-1732) finden wir Pfeifen, die seine Schrift aufweisen.

Mit dem Ableben seines Vaters beginnt für den 22-jährigen Johann Andreas  als Familienältester ein entscheidender Lebensabschnitt: er übernimmt die Führung des verwaisten Betriebes.

Zunächst bleibt er der bestehenden Silbermann-Tradition treu; seine letzten Werke hingegen erfuhren Neuerungen und Erweiterungen, die Zeugnis von einer besonderen Begabung ablegen.

Eine 1741 vorgenommene Studienreise zu seinem Onkel Gottfried nach Freiberg in Sachsen erweist sich für Johann-Andreas als bereichernd und beeinflusst ihn bei der Herstellung der Orgel der Neuen-Kirche in Strassburg und der von Sankt Blasien im Schwarzwald.

Wie uns J.-A. Silbermann selber berichtet, diente als Werkstatt ein verhältnismässig kleiner Raum im alten Finkweiler-Viertel unweit der Thomas-Kirche.

Die Orgeln konnten dort nicht aufgeschlagen werden, sie wurden in den Kirchen selber fertig gestellt. In diesen erstanden die 57 von ihm erbauten Instrumente, die wir, soweit  erhalten, heute noch bewundern.

So verhielt es sich auch hier in Arlesheim anno 1761. „Samstag, den 4. Juli. Bey abscheulichem Regenwetter sind 5 Wägen kommen, 2. Wein und 3. Leiterwägen. Ich schückte den Hans Georg Kuntze (seinen Gehilfen) mit. Montag den 6. bin mit Daniel (seinem Sohn) auf der Dilligence nach Basel gefahren, den andern Tag nach Arlesheim. Dienstag, den 7. Julij Vormittag ladeten wir noch alles ab. Waren aber wegen dem Rangieren übel dran, weilen wirs nicht alles auf den Orgellettner bringen konnten.“  Und schliesslich lesen wir: „Also Gott seys gedanckt Samstag den 29. August mit dieser Arbeit fertig worden.“

Johann-Andreas Silbermann, der vielseitig Beschäftigte, betätigte sich auch schriftstellerisch. Seine „Lokalgeschichte der Stadt Strassburg“ (1775) ist ein gesuchtes Nachschlagewerk In seiner „Beschreibung von Hohenburg oder dem Sankt Odilienberg“ (1781) findet man heute noch gültige botanische Hinweise. Ausserdem besitzen wir von ihm ein Orgelinventar in 5 Bänden mit Kommentaren über Organisten und Orgelmacher.